Gedanken zu Matrix

Der Film Matrix zeigt eine Welt, die eine vollkommene Illusion ist. Und deren Bewohner im Irrglauben leben, dass sie sich in dieser Welt befinden. Das sie atmen, arbeiten, schwimmen, Sex haben, essen und was man sonst noch tut, wenn man lebendig ist. Stattdessen aber liegen sie blind, taub und isoliert in einer Nährlösung und dienen Maschinen als Energiequelle. Darüber hinaus besitzen sie keine Funktion. Ihre Körperwärme dient den Maschinen als Energiequelle. Die Menschheit wurden zu einer Knopfzelle degradiert. Die Maschinen brauchen diese Energie, da die Sonne auf Planet Erde aufgehört hat zu scheinen. Sie hörte auf, da eine dichte Wolkendecke die Welt Komplet verdunkelte. Die Verdunkelung war ursprünglich als Lösung für den Krieg gegen die Maschinen gedacht. Die Lösung hat nicht funktioniert und so sitzt die Menschheit in der Falle.

Seitdem liegen die Leute ahnungslos in ihren Behältern und träumen ihren Traum als Gefangene, während ihr Verstand, oder ihr Bewusstsein an den gigantischen Rechner angeschlossen ist. Dieser Rechner, eine Art elektronischer Gott, generiert die künstliche Welt, die Matrix, in der sie vermeintlich zu leben glauben. Diese Matrix ist unglücklicherweise so konzipiert, das die Menschen diese Lüge nicht herausfinden, nur Thomas A. Anderson, der Held des Filmes, der als Befreiter Neo heißen soll, ahnt, dass hier etwas nicht stimmt. Er stellt die Frage, er will es wissen, was ist die Matrix und diese Frage soll ihn auch schließlich aus ihr befreien. Im Gegensatz zum Rest der Menschheit, die aufgehört hat zu fragen und stattdessen weiterhin ahnungslos und ignorant in ihrer digitalen Traumwelt herumspazieren.

Macht man sich über den Film Gedanken, kommt man auf den Schluss, dass die Matrix genau genommen überhaupt nicht sein müsste, denn die Maschinen könnten genauso gut die Körper einfach so am Leben erhalten. Schließlich benötigen sie nur die Wärme und nicht das Bewusstsein der Menschen. Aber dann gäbe es keinen Film und keinen Grund für nichts. Und das wäre langweilig.

Allerdings empfiehlt es sich, an den Film anders heranzugehen. Warum die Maschinen die Matrix erschaffen ist unwichtig. Viel wichtiger ist, das es funktioniert. Ihr Plan geht auf.

Die Leute in der Matrix ahnen nicht wo sie sind. Sie gehen ihren Lieblingsbeschäftigungen nach. Gehen einkaufen, essen italienische Pasta, haben ausgefallen Sex, konsumieren, das Übliche halt. Führen ihr Leben. Keiner hegt Verdacht. Sie würden es auch nicht wollen. Warum auch, läuft doch alles bestens? Das sie sich aber in Wahrheit in einer Matrix gefangen sind, auf diese Idee kommt keiner. Warum? Es ist zu abwegig. Keiner würde auf so eine Idee kommen. Und eben darin liegt die Stärke der Matrix. Sie ist zu unglaublich, als dass sie wahr sein könnte und so bleibt sie für die Meisten unreal. Sie ist unsichtbar, weil sie wie das Leben aussieht. Stattdessen ist sie das Ergebnis von Algorithmen.

Nachdem Thomas A. Anderson also von Morpheus und seiner Mannschaft aus besagter Matrix befreit wurde und er seine ersten schmerzhaften Tatsachen darüber zu schlucken hat, wird er von Morpheus gefragt, was die Matrix sei? Morpheus beantwortet für ihn die Frage, er sagt: „Kontrolle! Die Matrix ist eine Computer generierte Traumwelt, die geschaffen wurde um uns unter Kontrolle zu halten, für sie sind wir nicht vielmehr als das!“ Worauf er Neo eine Batterie vors Gesicht hält.

Aus dieser Szene lassen sich interessanteste Schlüsse ziehen. Man kann aus ihr bemerkenswerte Gedankenexperimente ableiten. Denn, stellt man die richtigen Fragen kommt man vielleicht auf interessante Antworten.

Zunächst ist Matrix einfach nur perfektes Popcorn Kino, man hat Spaß an der rasant erzählten Handlung, den coolen Figuren der Musik, dem Stil und an der üppigen Verwendung von Waffen. Nüchtern gesehen vielleicht doch nicht so außergewöhnlich? Was aber ist das Besondere des Filmes? Geht es um eine Wahrheit?

Es war vielleicht nur ein Gefühl oder eine schwache Ahnung was genau diese Wahrheit sein könnte. Aber dass es eine gibt, erklärt sicher den großen Erfolg dieser Geschichte. Natürlich haben die revolutionären Effekte einen starken Eindruck hinterlassen. Aber der Faktor Wahrheit hat den Film letztendlich zu dem gemacht, was er ist. Ein Mythos.

Man erfährt tatsächlich eine Art Erleuchtung. Warum? Weil es im Film um eine existenzielle Wahrheit geht, die im allgemeinen verborgen bleibt. Und über die keiner spricht.

Ist es die Allgegenwart der Maschinen, der so gerühmten künstlichen Intelligenzen die unser Leben zunehmend kontrollieren? Sind es die unheimlichen Konsequenzen die sich daraus ergeben? Ist es dieser Umstand, der durch den Film in uns angesprochen wird? Es sieht danach aus, denn es liegt quasi auf der Hand. 

Die existenzielle Wahrheit des Filmes sehe sich dennoch wo anders. Folgenden Begriffe sollen uns dort hin führen: Kontrolle, Traumwelt, Energie (In Form der Batterie) Wobei die Traumwelt den einzigen Zweck hat, die Leute zu kontrollieren. Also eine Traumwelt die gleichzeitig auch Kontrolle ist. Es geht um versteckte Kontrolle. Um Dinge, die hinter einem Vorhang stattfinden.

Was bedeutet Energie? Bleiben wir einfach und identifizieren wir es als Geld. Es scheint zu trivial aber Dinge müssen nicht kompliziert sein damit sie stimmen.

Es geht also um eine Welt, geschaffen um die Leute auszuplündern und so errichtet damit sie nicht aufbegehren und es auch nicht könnten, selbst wenn sie es wöllten. So kommen wir der Sache näher. Wobei und das ist wichtig. Die Vektoren der Regeln des Spieles allesamt in die Richtung einer versteckter Kontrolle zeigen. Heißt, alles wird so ausgerichtet, dass nur eine eingeweihte Elite davon profitiert. Der Rest darf sich um sich im Kreise drehen. 

Kontrolliert wird natürlich durch das Geld oder besser gesagt durch die Abwesenheit davon. Wer kann sich schon die Prozesskosten leisten, um sich im Leben durchzuboxen? Und die weltweite durchdigitalisierung, der Einsatz der KI´s, die unzähligen Scanner stehen alle im Dienste der Elite um welche Agenda durchzusetzen. Ihre eigene. Mit welchem Ziel? Die perfekte Traumwelt um den Rest zu kontrollieren. Denn das ist schließlich die Aufgabe der Matrix und darum mögen wir den Film, weil sie unsere Situation widerspiegelt. Im Grunde offensichtlich, nicht wahr? Man muß nur die richtigen Fragen stellen.

Einige Worte zu Fallen und Herrn August von Finck

Kleine Mäuse sind niedlich, aber wenn sie sich hinter der Isolierung des eigenen Herdes einnisten, sich fleißig vermehren und die Küche vollkacken, dann sind sie es nicht mehr, dann sind sie lästig. Man wird nicht lange überlegen und sie erledigen wollen. Am besten funktioniert das immer noch mit der Holz-Mausefalle. Die mit dem Metallbügel, der den Mäusen die Wirbelsäule schneller zertrümmert, als sie in das Leckerli beißen können. Das ist brutal, aber wirkungsvoll. Überleben ist ein zweischneidiges Schwert. Was für den einen ein Segen, ist für den anderen sein Untergang.

Bemerkenswert ist ebenso, dass die Mäuse zwar sehen, wie eines ihrer Familienmitglieder vor ihren Augen von der Falle erschlagen wird, dies sie dennoch nicht davon abhält, in diegleiche Falle zu tapsen. Noch bemerkenswerter ist, dass sich Menschen, zumindest in dieser Hinsicht, oftmals nicht von ihnen unterscheiden. Denn auch Menschen treten in Fallen, obgleich sie wissen sollten, dass bereits andere vor ihnen in diegleiche getreten sind. Wie geht das? 

Es könnte am Leckerli liegen. An den Verlockungen, die zu verführerisch sind, um ihnen widerstehen zu können. Möglicherweise überwiegt die Versuchung und das Misstrauen vor Gefahren taucht dann in den Hintergrund. Das Leckerli liegt schließlich direkt vor der Nase. Es ist angerichtet. Der wie für mich gemachte Kredit. Die Null Prozent Finanzierung. Das Supersparangebot. Das perfekte Investmentpaket. Mit rosaroter Schleife. Kein Risiko. Hinein in die Schuldenfalle. Die Zukunft gehört den undurchsichtigen Finanzprodukten, der Renaissance der Sklaverei und natürlich der perfekten Sicherheit, dem Mundschutz, der Isolation und den Hygiene-Verordnungen.

Was macht eine Falle zur Falle? Nun, man erkennt sie erst, wenn es zu spät ist oder nie. Die Aufgabe einer Falle besteht darin, jemanden gefangen zu nehmen. Die sekundäre zu verhindern, daß man entkommt. Die hässlichste Falle ist diejenige, die unerkannt bleibt. Die sich vermeintlich freundlich mit Blumenstrauß und Lächeln vor dir präsentiert. Vortäuschung und Irreführung erzeugen Verwirrung.

Es gibt unterschiedliche Fallen. Es gibt Fallen, die werden erst dann ungemütlich, wenn man gegen die Wände trommelt. Es gibt Fallen, denen das trommeln gleichgültig ist. Es gibt staatliche und private Fallen, natürliche und künstliche. Es gibt analoge und digitale. Es gibt welche aus Fleisch, Blut, unterschiedlichen Haarfarben und welche aus Beton. Fallen gibt es in allen Ausführungen und ebenso als bloße Vorstellung. Ideen können zur Falle werden. Ideen können verängstigen und Leute um sich selbst kreisen lassen. 

Spielt die Sprache dabei eine Rolle? Ganz sicher spielt sie das! Denn die Sprache vermittelt Ideen und es gibt Ideen, die wie Agenten den eigenen Verstand infiltrieren, um so von innen heraus das Verhalten zu kontrollieren. Natürlich funktioniert dieses unschöne Spiel nur solange, bis die Tarnung des Agenten auffliegt.

So wird Wissen zur Macht. Insbesondere das Wissen über die Manipulation von Menschen. Allerdings ist es wie mit dem Code eines Programmes. Zählen allein genügt nicht, man muss auch die korrekte Syntax und Semantik* kennen. Was wäre die Abhilfe davon? Nichts geht über gründliches Verstehen komplexer und widersprüchlicher Muster hinaus. Verstehe die Zeichen, erkenne die Absichten!

Sind wir Laborratten eines Unbekannten? Möglicherweise sind wir das, wer aber sind unsere Unbekannten? 

Etwa all die Präsidenten, Direktoren & Vorstände der Council on Foreign Relations** dieser Welt? Die Oberbosse der IT-Giganten? Gut möglich, sie haben schließlich das know how und die Mittel dazu. Sie sagen uns, was stimmt und was nicht!

Wenn wir Pech haben, ergibt zum Beispiel 2+2 irgendwann nicht mehr 4, sondern 5. Wirkliches Pech werden wir haben, wenn es für den Großteil keinen Unterschied mehr macht, ob es 4 oder 5 ergibt. 

Für gewöhnlich stehen Spielfiguren auf einem Spielbrett, die von Spielern bewegt werden. Die Figuren sind nur solange Figuren, bis sie sich selbst bewegen oder wenn sie sich weigern, bewegt zu werden. Dann hören sie auf, bloße Spielfiguren eines Spielers zu sein. Natürlich hören dann auch die Spieler auf, Spieler zu sein. Was nicht in ihrem Interesse ist. Aus diesem Grund werden sie es zu verhindern versuchen.

Wer Schach kennt weiß, dass es einen Krieg simuliert, man Strategien entwickelt und am ehesten gewinnt, wenn Züge im voraus im Kopf durchgespielt werden. Um so weiter man in die Zukunft blickt, desto besser. So kontrolliert man die Gegenwart. 

„Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“ Sagte schon G. Orwell in „1984“.
Besser sollte es heißen: „Wer die Zukunft kontrolliert, kontrolliert die Gegenwart und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“

Zurück zur Falle. Das erste was man wissen muss, sind die exakten Koordinaten. Damit jemand überhaupt in die Falle geht, muss man den Standort desjenigen kennen, den man einfangen möchte und zwar zu jeder Zeit und an jedem Ort. Man muss wissen, wo sich die Mäuse befinden. Kennt man ihre Positionen nicht, haben sie für den Spieler keinen wert. 

Daher besitzt ein Schachbrett Koordinaten. Die aus Zahlen und Buchstaben bestehen. Unsichtbarkeit ist für jeden Spieler das A und O. Wer kennt zum Beispiel schon August von Finck***, einer der reichsten Männer Deutschlands? Und wer weiß, das besagter Herr Finck im Jahre 2010 maßgeblich für die Senkung der durch die FDP erzielten Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen von 19 auf sieben Prozent verantwortlich war? Die wenigsten wissen, daß er über die Aktienmehrheit der Restaurant- und Hotelgruppe Mövenpick verfügt. Sein Vermögen wird auf 8,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Er macht seinen finanzstarken Einfluss in vielen Spielen geltend.

Herr Finck ist ein Meister darin sich im Hintergrund zu halten. Und er liebt die Unsichtbarkeit. Denn dann ist er vom Radar und keiner vermag ihn zu lokalisieren. Auf diese Weise zieht man die Fäden. Sein Hauptwohnsitz ist übrigens die Schweiz.

Springer von B1 auf C3. Ein Schachspieler weiß immer, wo seine Figuren stehen und der sehr gute Spieler kann ein komplettes Spiel nur anhand von Koordinaten durchspielen. Wobei er keine Figur sehen muss. Unsichtbarkeit ist der wichtige Aspekt eines Spielers und der einer Falle. Der perfekte Käfig hat weder Wände noch Böden noch  Decken. Die Spieler bleiben unsichtbar, während die Figuren ständig identifiziert und lokalisiert bleiben müssen. Die Vollendung dieses Prozesses soll und wird über die Fake-Viren-Pandemie erfolgen.

Unsichtbarkeit wird damit erreicht, dass etwas so Unglaubliches getan wird, dass keiner es für möglich hält. Und so bleiben die Taten vom öffentlichen Radar unbemerkt.

Wer Sklaven will und offensichtlich lebt eine Bevölkerungsschicht davon, daß es welche gibt, muß in der Lage sein, die Aufmerksamkeit von Leuten zu steuern. Denn keiner, der beobachten kann, bleibt freiwillig in der Falle. Und um beobachten zu können, sollte man Herr seiner Sinne sein. Und so wird schauen unbeliebt.

Stellen wir uns vor, wir befinden uns auf einem Spielfeld. Werden von was auch immer lokalisiert und herumbewegt, in und auf einem Netz, einem Netz, das uns zu jeder Zeit und an jedem Ort identifizieren lässt. Jedes mal, wenn wir uns bewegen, hinterlassen wir ein Muster, dieses Muster erlaubt den Spielern, unser Verhalten vorherzusagen. Warum sie das tun, bleibt verborgen. Und doch ist dies bereits die Wirklichkeit. Es ist unsere Wirklichkeit.

Befinden wir uns dann nicht bereits in einer Falle? 

Halb so wild, könnte man meinen, dient doch nur zu unserem Wohle und zur Verbesserung der Lebensqualität. Die digitale Überwachung soll helfen und unser Leben unterstützen. Selbstverständlich tut sie das! 

Aber wir sollten nicht vergessen, daß es dennoch ein Käfig ist und wir von der Gesinnung seines Betreibers abhängen.

Nehmen wir an, die Betreiber wechseln. Nehmen wir an, dass in nicht all zu ferner Zukunft völlig anders gesinnte Spieler am Drücker sitzen, denen unser Wohl völlig egal ist. Ein Machtwechsel, mit dem keiner gerechnet hat. Es kann ein Erwachen in einem Albtraum bedeuten. 

Wäre es dann nicht sinnvoll, über eine unabhängige Kontrollinstanz nachzudenken? Gremien, Institutionen, die ihren Einfluss zur richtigen Zeit geltend machen könnten und es auch tun. Ansonsten könnte sich dieses Netz, in dem wir uns bereits befinden, ganz schnell als eine effektive Waffe gegen uns selbst herausstellen.

Solange sich das Verhältnis zwischen Figuren und Spieler aber nicht ändert, Figuren sich weigern, aktiv zu werden, wird alles beim Alten bleiben. 

Und selbstverständlich haben die Spieler kein Interesse daran, dass die Spielfiguren eigene Entscheidungen treffen und sich außerplanmäßig verhalten. 

Wenn auch die Motive der Betreiber nicht von der edelsten Sorte sind, liegen sie wahrscheinlich doch nur im Horten von Geld. 

Die Speerspitze mag sich zusätzlich noch fragwürdigen Vorstellungen und Praktiken von Macht und Kontrolle hingeben. Bleiben dabei aber hoffentlich doch noch im Rahmen. Es könnte aber schlimmer kommen und wenn wir dann über keine Mittel und Wege verfügen, das Ruder schnell an uns zu reißen, sitzen wir sehr gründlich in der Falle.

Gerade wird noch, „komplizierte Finanzprodukte“ gespielt. Das Spiel von „wunschgenerierter Nachfrage“. Oder, „wie lassen sich Identitäten und Sehnsüchte schlau in die Köpfe der Leute pflanzen?“ und „Wie bringt man so viele wie möglich dazu, ihre Freizeit mit Shoppen und Belanglosigkeiten auszufüllen?

Für diese Ziele und Absichten dürfen sich die Marketingpropheten und die Propagandaminister der Werbe- und Leitmedienwelt richtig ins Zeug legen. Und hier gilt vor allem, der Zweck heiligt JEDES Mittel!

Aber denkbar wären schlimmere Szenarien. Die Geschichte hat gezeigt, das unerwartete Richtungswechsel stattfinden können. 

Glücklicherweise ist das Leben intelligent. Und wenn es Menschen hinbekommen, sich rechtzeitig zu organisieren und sie die Situation dann korrekt einschätzen und handeln, dann besteht tatsächlich noch Hoffnung. Denn noch hat sich das Zeitfenster zu lebenswichtigen Informationen und Wissen nicht geschlossen. 

Aber wir erleben gegenwärtig bereits, wie Informationsschlupflöcher verschwinden, mit oder ohne Begründungen. Viele Internetseiten lassen sich über Google nicht mehr ohne weiteres ansteuern.

Das Erstaunliche am Schließen der Kanäle sind die Argumente und die Gleichgültigkeit der breiten Öffentlichkeit dieser Entwicklung gegenüber. Das Unbehagen ist Bestandteil ihres Programms. 

Bildet Gruppen und verhindert diesen Prozess!

Und glaubt keinem Agenten oder Argument, die um eine Einwilligung zur Schließung der restlichen Informationskanäle bitten oder dies als eine notwendige Maßnahme erachten.

*

Bernd Kaminski

Und plötzlich waren sie da, unsere sozialen Netzwerke und die Menschheit lag ihnen zu Füßen. Die Welt wird nie wieder diegleiche sein!

Wie kam es dazu und wer steckt dahinter?

Wenn einer die Wahrheit kennt, dann Bernd Kaminski. Bernd Kaminski ist der Drahtzieher schlechthin. Bernd Kaminski: Toptrippelnull Agent, Spin-Doctor, Hochschullehrer, Familienvater, Co-Fußballtrainer des FC-Bielefeld, Spitzenhobbykoch, Imker und ehrenamtlicher Pornostrar der protestantischen Gemeinde in Recklinghausen. Wer wissen will, was gespielt wird, der kommt an Bernd Kaminski nicht vorbei.

Als leitender Angestellter der unabhängigen Überwachungs-, Erpressungs- und Infiltrationssektion, kurz ÜEi war er von Anfang an, bei jeder strategischen Ausarbeitung und Entwicklung zur Kontrolle und Überwachung der Weltbevölkerung dabei. Daher ließ er keine Gelegenheit aus, seinen bevorzugten Spruch zum Besten zu geben: „Wer Leute kontrollieren will, muss wissen, was sie morgen denken!“

Zweifellos ist Bernd Kaminski ein Insider. Er unterrichtet Informationspolitik an der Fakultät für Manipulation, Hirnwäsche und Sozialpsychiatrie in Braunschweig.

Und so ergab es sich, dass er seine Studenten in eine Arbeitsgruppe steckte und ihnen die Aufgabe auftrug, ein Konzept für das perfekte Kontrollsystem auszuarbeiten. Dabei konnten sie völlig verschwenderisch mit Ressourcen umgehen. Einzige Bedingung war, sie mussten sich von moralischen Ansichten verabschieden.

Natürlich ist die Manipulation ganzer Bevölkerungsschichten eine verlockende Sache, aber sein Auftrag ging noch einen Schritt weiter. Es sollte darum gehen, nicht nur ganze Bevölkerungsschichten dazu zu bringen, ihre Angewohnheiten, sämtliche Vorlieben und Gedanken, seien sie noch so intim, freiwillig einem gesichtslosen Apparat auszuhändigen und keinen Cent dafür zu bekommen. Sondern sie darüber hinaus zu ermuntern, ihre Daten immer auf dem aktuellen Stand zu halten.

Selbstverständlich ging es wieder nur um Kontrolle, um Manipulation und um Infiltration. Aber diese Dinge spielen sich ohnehin die ganze Zeit im Hintergrund ab. Aber die Freude, mit der sich dieses Mal die Leute einem Kontrolapparat ausliefern, die sollte neu sein. Denn „Wer Leute kontrollieren will, muss wissen, was sie morgen denken!“.

Die Arbeitsgruppe förderte schließlich einige interessante Aspekte, Muster und berechenbare Faktoren zu Tage. Das Chaos war zu einer sich wiederholenden, dadurch berechenbaren Sache geworden. Mit Mathematik und vielen schlauen Algorithmen erschloss sich das Problem und die Gesellschaft war bis ins letzte strukturiert worden.

Aber wie sollte man die zu recht misstrauischen Subjekte dazu bringen, mit Freude ihre persönlichen Informationen auszuhändigen? Denn ohne Kooperation keine Information!

Wer die Geschicke der Gesellschaft verstehen und lenken will, der muss die Geschicke seiner Individuen verstehen und lenken und um die Geschicke der Individuen verstehen und lenken zu können, braucht es nun mal ihre Einwilligung. Kurz, keine Vorhersage ohne korrekte Daten.

Schließlich gelang ein Durchbruch. Denn was fehlte, war lediglich die richtige Marketingstrategie. Wurde sie gefunden, stand der globalen Datenerfassung nichts mehr im Weg.

Die Rechnung ging auf, als man sich die Schwäche der meisten Leute zunutze machte. Worum ging es dabei? Menschen suchen Gesellschaft, zum einen um ihren Hunger nach Bewunderung zu stillen, zum Anderen, weil sie ohne sie zugrunde gehen. Denn Gesellschaft bedeutet Bewunderung und Überleben. Und nichts ist so kostbar, so verlockend, wie Bewunderung. Mit genügend Bewunderung lässt sich jede Sklaverei ertragen.

Das spielte den Machern von BigData zu. Denn was war mit vielen Leuten bis Dato geschehen? Sie wurden über Jahre hinweg erfolgreich voneinander getrennt und nun waren sie reif, um vom System gepflügt zu werden. Man musste ihnen nur ein bisschen ihre Träume unter die Nase reiben und schon hingen sie am Haken. Endlich die Bewunderung, die Gesellschaft, der Kontakt und eine Öffentlichkeit für jeden! Nur Spielverderber stellen sowas in Frage. Man ließ also die Not für sich arbeiten und schnell wurde der große Bruder zur großen Mutter, zum besten Freund.

Hollywood verpasste dann dem Ganzen noch die rührende Geschichte und die Illusion war perfekt. Keiner sollte erfahren, was wirklich dahinter steht. 

Seit der Herausgabe aktualisiert sich das ID-System im Sekundentakt. Ein Achtel der Erdbevölkerung ist integriert und startklar, sämtliche Angelegenheiten auf Server hochzuladen.

Was mit den Daten angestellt wird, interessiert die Wenigsten. Das System gibt sich irreversibel, aber stets freundschaftlich. Die abflauenden Proteste werden von einer gut aufgestellten Marketing-Abteilung mit viel Verständnis weich gespült.

Gott ist die KI. Zwischenmenschliche Aspekte nur noch eine Frage des Algorithmus. Die Schwäche der Menschen verleiht dem System seine Stärken. Informationen ebnen den Weg für die kommenden Strategien. Propaganda ist der Agent hinter der feindlichen Linie. Das System gibt sich kumpelhaft, aber nur solange man zahlt.

 

*

Willkommen im System 42

42.

Willkommen im System 42, dem Zeitalter der Maschinen, Robots, KIs, Drohnenkriegen, interaktiven Scannern, zu unserer digitalen Transformation!

Kürzlich schrieben wir noch das Jahr 2017, das Jahr, in dem Roy Batty, ein Nexus 6 Level A Replicant der Tyrell Korporation aus dem legendären Film Blade Runner seinen 1. Geburtstag feierte. Leider wurde er schon kurz darauf in den endgültigen Ruhestand versetzt.

Das System 42 macht es möglich, dass all unsere Erinnerungen, Lebens- Körperdaten, Netzwerkprofile auf wunderbare, rosafarbene Clouds der wohlwollenden Konzerne geladen werden. Im Auftrag des allwissenden Auges, unserem digitalen Gott, dem nichts mehr entgeht.

Okay, es hat ein paar Jahrtausende gedauert, ehe wir unsere Maschinen hatten. Aber jetzt ist es soweit. Das Elend hat sein Ende und ebenso all die sinnlose Plackerei. Denn die darf jetzt die Maschine für uns übernehmen.

Während die Roboter in verlassenen Fabrikhallen Flachbildschirme zusammenlöten, können wir an jedem Ort der Welt an jedem Tag der Woche banale Sendungen ansehen. Sendungen, die zwar Wünsche bedienen uns aber mit nichts zurücklassen.

Und ein Ende der digitalen Evolution ist nicht in Sicht. Aber noch können wir Gedanken denken die keiner sieht. Gedanken, die dem System verborgen bleiben. Aber was wird die Zukunft bringen?

Orientieren wir uns an Trends. Spielen wir zu Ende was wir sehen. Wie könnte die Zukunft aussehen?

Kein Mensch wird mehr hinter einer Kasse sitzen. Stattdessen erledigen vernetzte Scanner ihren Job. Diese Scanner werden überall herumstehen. Und bei jedem Einkauf werden Daten von der universellen ID-Karte abgelesen und ins System eingespeist. Es gibt, wenn überhaupt nur noch eine Karte: Bankkarten, Kreditkarten, Krankenkassenkarte, Personalausweis, Führerschein werden zu einer ID-Karte vereinigt. Oder auf zu einem implantierten Chip. Diese ID-Karte wird jeder mit sich herum tragen müssen. Die Scanner leiten unsere Daten an Institute und Konzerne weiter und werden dann zu einer digitalen Identität synchronisiert. Ohne ID-Karte wird eine Existenz unmöglich sein. Die Bevölkerung wird in Zonen aufgeteilt.

Jedes elektrische Gerät ist gleichzeitig auch ein Scanner. Soziale Schichten werden durch Scanns und Bonitätschecks in die entsprechende Zone transferiert. Parameter hinsichtlich Gesundheit und Bonität legen fest, wer Zugang zu welchen Shopping-Malls, Wohnanlagen, Stadtvierteln, Einrichtungen und Sexualpartnern erhält.

Ein Großteil der Leute wird arbeitslos sein. Es gibt Zonen, in denen die Erwerbslosen mittels Grundeinkommen, auf einem Existenzminimum gehalten werden. Scanner und private, paramilitärische Milizen sorgen dafür, dass sich diese Leute nicht aus ihren Bezirken bewegen können.

Damit die Frustration aber auf einem akzeptablen Niveau bleibt, wird jedem ein monatliches Kontingent an Konsum und pharmakologischer Betreuung freigeschaltet werden.

Das System sorgt für genügend Unterhaltungstechnologien und so bleiben die Leute bei Laune und dadurch auch unter Kontrolle. Fixiert und Hypnotisiert durch imperiale, mediale Konsumgüter.

Staaten setzten die Ziele der Konzerne durch und Konzerne verfolgen die Ziele des Systems. Die Überwachung und Kontrolle der Produktion unterliegt Konzernen. Als einzige Religion wird ein technokratischer Transhumanismus akzeptiert. Spezielle Konzerne kümmern sich darum, dass der Kult auf jeder Ebene der Gesellschaft als einzig Ideologie assimiliert wird.

Die neue Elite rekrutiert sich aus Programmierern, Softwareentwicklern, technischen Psychologen, Agenten, Schauspielern, Investoren und den Priestern des Kultes.

Gott ist der Algorithmus und der Hacker sein Feind.

Das System wurde implementiert.

60 Jahre hat es gedauert.

Und eine Frage, die sich nach wie vor stellt, lautet:

>>> Wem nützt es? <<<

Sendungsbewusstsein

ein Leben in der Warteschleife

Bis Ende der 90er gingen wir alle in richtigen Geschäften einkaufen. Das war die Zeit, in der man noch Telefonzellen suchen musste. Heute bestellen wir in Online Shops und können telefonieren, wo und wann wir wollen. Das Meiste funktioniert per Knopfdruck. Unzählige unsichtbare und kryptische Vorgänge nehmen ihren Lauf. Hat man was bestellt, wartet man in seiner Zelle mit Fernwärme und WLAN. Wartet bis der Mensch mit Scanner vor der Tür steht. Dann darf man seine Sendung entgegen nehmen und sich gegebenenfalls noch einen guten Tag wünschen. Dann verschwindet man mit seinem Paket hinter der Tür. Flüchtig, für sich- als Konsument mit Sendung. Versichert oder unversichert, mit oder ohne Sendungsnummer.

Die vielen fremden Mitarbeiter der Paketdienste sind alles sehr geschäftige fleißige Menschen. Schließlich geht es darum eine Unmenge an Dingen jeden Tag so schnell als möglich hin und her zu fahren. Da bleibt keine Zeit für unnötiges Gerede. Klingeln, Treppen steigen, quittieren und auf zum Nächsten. Wieder läuten, Treppen steigen, quittieren und so ziehen die Tage in das verwirrte Land aus Konsumenten und Paketdienst Mitarbeitern.

Immer mal wieder ist keiner zuhause, dann muss der Zusteller entweder bei einem Nachbarn klingeln oder die Sendung wieder mitnehmen und es am nächsten Tag erneut versuchen. Ab und zu wird das Paket auch in einer Filiale hinterlegt. Dann erhält man per Post eine Benachrichtigung. Meistens funktioniert diese große Paketzustellmaschine einwandfrei.

So sieht unser Alltag aus. Auch meiner. Wie jeder, so sehe auch ich jeden Tag die gelben, braunen und weißen Kastenwägen in der Stadt umherfahren. Man kann von Lebensmitteln über Dienstleistungen bis hin zu upper class Artikeln alles übers Internet bestellen. Einfach Online Formular ausfüllen und schon bewegen sich die unglaublichsten Dinge, wie durch Zauberhand. Alles geht automatisch. Was ein logistisches Meisterwerk ist. Ein extrem komplexes Zusammenspiel von Millionen kleiner Maschinchen und Programmen. Und dazwischen stecken wir, die Normalsterbliche. Die Verbraucher. Eingekapselt, wie auf Standby geschaltete Trychinen im ausgehungerten Bauch eines postkapitalistischen Überwachungs- und Kontrollsystem. Ein System, das wahrscheinlich von größenwahnsinnigen Misanthropen aus Langeweile betrieben wird. Oder es ist lediglich das Zusammenspiel einiger lustiger Zufälle. Wie auch immer, ich weiß es nicht!

Aber heute wird mein Paket ankommen, soviel steht fest! Ich suche die Straße nach dem Kastenwagen ab. Leider habe ich die Zustellung einmal bereits verpasst. Und weil die Sendung keine Jugenfreigabe gemäß §14 Jugenschutzgesetzt hat, konnte sie nicht beim Nachbarn abgegeben werden. Also musste der Zusteller unverrichteter Dinge weiter fahren. Im Internet lassen sich dann die Statusmeldungen abfragen. Dort steht dann zum Beispiel: Der Empfänger wurde nicht angetroffen oder Wir werden einen weiteren Zustellversuch durchführen.

Zum Glück hatte ich am nächsten Tag bis 13 Uhr frei. Heißt, ich konnte länger auf mein Paket warten. Bis 13 Uhr verbrachte ich die Zeit mit aufräumen und staubsaugen. Um 13 Uhr musste ich allerdings dann los. Leider war kein Zusteller gekommen. Kein Zusteller, kein Paket. Frustrierend für jemanden wie mich. Des Umstandes wegen sehr verstimmt, betrat ich, als Sklave unseres digitalen Zeitalters die Straße. Bevor ich mich zur Arbeit aufmachte, warf ich sicherheitshalber noch mehrere, unsichere Blicke die Straße rauf und runter. Die Vorstellung, den Paketdienst um ein Haar zu verfehlen bereitete mir große Sorgen. Aber nichts, was an einen Paketdienst erinnert.

Einmal musste ich mein Paket in dem Getränke-Markt nebenan abholen. Das war ziemlich unangenehm. Diese Scanner sind heutzutage überall in Anwendung. Erst recht bei den Paketzustellungen. Einmal konnte einer der Scanner meinen Ausweis nicht identifizieren. Der Scanner gab stattdessen immer wieder einen hässlichen Ton von sich. Der Grund hierfür war anscheinend eine fehlende Übereinstimmung. In meinem Ausweis war mein Zweitnamen vermerkt, den ich vergessen hatte anzugeben. Das war in diesem Spätkauf. Der Mann des Spätkaufs weigerte sich, mir das Paket auszuhändigen. Er stand mit gepflegten Vollbart, langem, ergrautem Haar, Goldring nebst Goldkette hinter seiner Theke und schüttelte nur den großen Kopf. Keine Chance. Auf dem Ausweis stand ein Zweitname, auf dem Paket nicht. Keine Übereinstimmung. „Da kann man nichts machen, das erkennt der nicht!“ sagte der Mann und zeigte auf den Scanner. „Ich darf Ihnen das Paket nicht geben, tut mir leid!“ es tat ihm nicht leid, soviel stand fest! Die Sendung ging zurück und ich ohne Paket nach Hause. Äußerst unzufrieden saß ich in meiner Küche, starrte auf die Raufasertapete und dachte, dass sich manche Dinge nie ändern. Meinetwegen können sich die Tage gleichen wie ein Haar dem Anderen. Ich bin kein Freund von Veränderung.

Leider könnte mir das mit dem Zurückschicken des Paketes dieses mal wieder blühen. Denn auch bei dieser Bestellung hatte ich es versäumt, meinen Zweitnamen anzugeben. Warum ausgerechnet mir das passieren musste? Ich hasse Namen, erstrecht Zweitnamen. Ich wäre mit einer schlichten Nummer zufrieden. Es würde vieles erleichtern. Im Grunde sind wir sowieso nichts anderes als herumspazierende, degenerierte Nummer, die von Algorithmen hin und her gescheucht werden. Das musste mal gesagt werden.

Als ich von der Arbeit zurück kam, schaute ich gleich in meinen Briefkasten, nach einer Benachrichtigungskarte. Es lag aber weder eine Benachrichtigungskarte noch irgend etwas anderes darin, nur die Werbepost eines Mobilfunkanbieters. Ich ersparte es mir, sie zu öffnen. Obgleich man darin immer mit Herr so und so angesprochen wurde, war es dennoch eine Maschine, die einen mit Herr so und so anspricht. Genausogut könnte man einen Geldautomaten ficken.

Meine gesamte Post wird von Maschinen geschrieben. Alles läuft automatisch. Ein bestimmtes Datum fällt mit einer Uhrzeit zusammen und ein Algorithmus spuckt einen Brief aus. Ein Anderer verschickt ihn dann. Wahrscheinlich schreiben sich demnächst Maschinen gegenseitig Briefe. Dann gibt es nur noch Maschinen, die mit Maschinen reden. Am Ende wird nur noch eine Nachricht hin und her geschickt. Ein Barcode A oder ein Barcode B. Bis etwas den Strom abdreht. Dann herrscht Funkstille.

Jedenfalls schreibt mir schon lange keiner mehr Briefe, nicht mal eine Postkarte. Das Wort Liebesbrief existiert nur noch als verrückte Erinnerung. Mit jungen Jahren bekam ich einmal einen. Allerdings kann ich mich an den Inhalt nicht mehr erinnern. Ein bestimmter Lebensabschnitt rückt aus dem Sichtfeld, treibt ins Vergessen. Fällt über die Klippe. Punkt.

Während wir immer tiefer in diese traumlose Welt der Maschinen stürzen, kommunizieren diese, um Informationen von uns zu erhalten. Aber so ist das nun mal. Dinge hängen miteinander zusammen. Mir ist das einerlei, solange ich meine Pakete bekomme, kann die Welt vor die Hunde gehen. Ich finde es nicht schlimm, wenn ich zum verlängerten Arm der Automaten herunterkomme. Automaten können schließlich auch nichts dafür das wir so dumm sind.

Zuhause angekommen, schaltete ich sofort den Rechner an. Ich überprüfe auf der Seite des Paketzustellers die Statusmeldung. Das geht schnell, Bestellnummer eintippen, dann einen Knopf drücken.

Erstaunlich, was durch das Drücken eines Knopfes für aufregende Routinen in Gang gesetzt werden. Von der schlichten Treppenhausbeleuchtung bis hin zum kostspieligen Marschflugkörper mit Nuklearsprengkopf. Und keiner sieht das Muster zwischen Knopfdruck und der Sache die passiert. Sehr erstaunlich.

Wen interessiert schon ein Quellcode, die Glasfaserkabel, die Nullen und Einsen, eine Informationsübertragung durch Lichtblitze? Hauptsache die Hose kommt an, die Mustererkennung identifiziert den Psychopathen mit Sprengstoffgürtel im Gangway.

Das Paket befindet sich in Zustellung. Mittlerweile war es bereits 21 Uhr. Anscheinend ist das System nicht auf dem aktuellen Stand. Ich vermute, dass irgend so ein Depp von Mitarbeiter nicht vorschriftsgemäß funktioniert und irgend einen Arbeitsschritt ungescannt abgehakt hatte.

Bis 22 Uhr saß ich so vor dem Rechner und klickte mich unmotiviert durchs Internet. Pornos haben den Reiz verloren. Meistens scrolle ich mich durch eine endlose Liste von Kommentaren. Kommentare lesen ersetzt die zweifelhafte Gesellschaft nicht weniger zweifelhafter Freunde. Dabei spielt es keine Rolle unter welchem Thema die Kommentare stehen. Es waren kleine, eingefrorene Emotionen. Im Gegensatz zu den sprechenden Maschinen, die zu anderen sprechenden Maschinen berechenbare Sätze sagen, suggerieren diese Kommentare ein bisschen Lebendigkeit. Obgleich mir bewusst ist, das diese Kommentare von Maschinen geschrieben wurden. Hauptsache es macht Spaß.

Am nächsten Morgen erwachte ich früher als sonst. Mit einem zuckenden Augenlid stieg ich aus dem Bett, kochte Kaffee und setzte mich an den Rechner.

Die aktuelle Statusmeldung meiner Sendungszustellung hatte sich zu meinem Entsetzen seit gestern nicht geändert. Die Sendung befindet sich in der Zustellung. 

Demoralisiert scrollte ich mich durch die Kommentare eines Artikels über einen berühmten Schauspieler, der sich in einer Drehpause an einem 17 jährigen Mädchen vergriffen haben soll. Einige forderten die Einführung der Todesstrafe. Andere fanden das moralisierende lamentieren zum kotzen. Andere, der Artikel sei einfach nur scheiße. Ich selbst hatte aufgehört mir eine Meinung zurecht zu basteln. Warum auch, als Verbraucher hat man keine Meinung, man kauft und verbraucht und ehrlich gesagt, nehme ich es den Leuten auch nicht ab, dass sie ihre Meinung zur Schau tragen. Die plappern doch sowieso alles nach.

Selbstverständlich kam meine Teilnahmslosigkeit, meine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben von diesen versteckten Abläufen, mit denen ich ständig in Kontakt stand. Ich hänge schon viel zu lange unter der Glocke aus ungesunder Müdigkeit. Aber in Wahrheit hänge ich nicht, sondern sitze vor einem rauschenden Bildschirm eines Schwarz-weiß-Fernsehers, starre auf die Oberfläche und versuche, die weißen von den schwarzen Kästchen getrennt zu halten. Ein verrückter Umstand. Aber genau das ist mein Leben.

Zum Glück musste ich erst um 15 Uhr das Hause verlassen. Das heißt ich konnte bis 15 Uhr auf mein Paket warten. Ab 10 Uhr überprüfte ich alle zwanzig Minuten die Statusanzeige. Die Sendung befindet sich in Zustellung. Als ich das las kam wirklich Freude auf. Natürlich durfte ich jetzt unter keinen Umständen die Wohnung verlassen. Ich trank viele Tassen Kaffee. Irgendwann aß ich auch ein Knäckebrot. Die Stunden verstrichen. Kein Paketdienst. Die Statusmeldung unverändert. Ich wurde ungeduldig. Schließlich rief ich die Hotline an. Am anderen Ende der Leitung eine Maschine mit Frauenstimme. Wenn Sie Fragen zu Ihrer Sendung haben, drücken Sie die Zwei. Ich drückte die Zwei. Nachdem ich mich durch das Menü gedrückt hatte, erhielt ich die Information, dass meine Sendung zwischen 9 Uhr und 20 Uhr zugestellt wird. Leider war aus technischen Gründen keine genauere Zeitangabe möglich. Es ist zum verrückt werden.

Aus Nervosität fing ich an, den Schimmel zwischen den Kacheln im Bad mit der Zahnbürste weg zu schrubben. Um 14 Uhr immer noch kein Paket. Die letzte Stunde verbrachte ich lethargisch am Fenster. Starrte auf die Straße. Suchte den Kastenwagen. Um 15 Uhr verließ ich zerrüttet das Haus.

Die ganze Zeit musste ich an das Paket denken. Daran, wo es sich gerade befand. Und warum gerade heute meine Mitarbeiter so nett zu mir waren. Frau Werner bot mir ein Stück Kuchen an, während ich in der Kantine resigniert hinter meiner Tasse Kaffee saß. Ich konnte mich über ihr Angebot nicht freuen. Wusste nicht ob ich „Ja“ oder „Nein“ sagen sollte. Wahrscheinlich sah man mir mein Unglück an. Denn plötzlich kam Frau Krüger an den Tisch. Frau Krüger aus der Buchhaltung und sagte: „Sie sind so blaß? Geht es Ihnen nicht gut?“. Entsetzt sprang ich auf. Beteuerte, dass alles seine Richtigkeit hat und verschwand schnell in der Toilette. Ja, ich sah wirklich blas aus. Während mich jemand aus dem Spiegel betrachtete, der behauptete, er sei ich, wurde mir klar, wie mir meine Mitarbeiter auf die Nerven gingen. Wieso konnten sie nicht einfach ihre Klappe halten. Mir würde es besser gehen, wenn sie Automaten wären.

Auf dem Rückweg fiel mir ein, dass ich noch einige Lebensmittel einkaufen musste. Vor dem Supermarkt saß wie immer die alte Romafrau auf ihrem Klappstuhl, braungebrannt, zerfaltetes Gesicht Kopftuch, in ihrem altbackenen Faltenrock und Holzbecher im Schoß. Mit ihrem dämlichen Grinsen konnte sie mich noch nie rum kriegen. Ich würde wetten, daß sie jünger war als sie aussah. Seltsamerweise musste ich heute bei ihrem Anblick an diesen Buddha denken. Nicht, daß ich viel über ihn wusste, ich kannte nur ein paar Dinge aus dem Internet. Er soll ein sehr großer Mensch gewesen sein, der irgendwas wichtiges zu sagen hatte. Vielleicht assoziierte ich sie mit ihm, weil sie gerade so ähnlich auf ihrem Klappstuhl saß. Ab und an murmelte sie unverständliches Zeug, als würde beim vorbeigehen eine Lichtschranke etwas in ihrem Kopf einschalten. Dennoch, heute war sie für mich Buddha, den ich aus dem Internet kannte. Er soll so lange gesessen haben, bis er auf eine großartige Sache gestoßen war. Irgend etwas völlig abgefahrenes. Danach war jedenfalls nichts mehr wie es war. Was genau es war, weiß ich nicht.

Als ich aus dem Supermarkt kam und an ihr vorbei ging, zog sie ihr Bein zur Seite. Ich wusste nicht, ob sie das tat, um mich zu erpressen oder weil sie Angst um ihr altes Bein hatte. Jedenfalls kippte dabei ihr Regenschirm um. Ich weiß nicht, was in mich gefahren war, ich beugte mich runter, um ihn ihr aufzuheben. Aber ich konnte es nicht zu Ende bringen. Ich ekelte mich dann doch zu sehr ihr zu nahe zu kommen. Auf ihrem Schoss lag wie immer ihre Tüte Sonnenblumenkerne. Ihr faltiger Mund kaute auf einem Kern herum und zwei ihrer verdorrten Finger fischten dann die Schalen heraus. Wieder dieses abstoßende Grinsen. Wer war dieser Buddha?

Was war nur mit mir los? Die Alte und dieser Buddha gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. 

Was würde nur mit mir passieren, würde ich tagelang auf einem Klappstuhl sitzen? Würde ich dann auch zu einem Buddha werden? Vermutlich würde mir nur mein Bewusstsein implodieren um dann aus der Schädeldecke ins schwarze All katapultiert zu werden, wo es schließlich von einem gehässigen schwarzen Loch aufgefressen würde. Man konnte doch nicht einfach jahrelang auf einem Klappstuhl sitzen, auf Sonnenblumenkernen herum kauen, dämlich grinsen und nicht durchdrehen.

Mit meinem albernen Baumwollbeutel in der Hand setze ich mich auf eine Bank. Dumm nur, dass die Rechnung nicht aufgehen wird. Denn egal, wie ernsthaft alle Bemühungen auch ausfallen werden, sich in einen Automaten zu verwandeln, es liegen immer Entscheidungen auf dem Weg dorthin, Entscheidungen, die getroffen werden wollen und sogar müssen.

Ich hatte mich entschieden, auf Sendungen zu warten, in einem öden Büro zu arbeiten, in einer leeren Wohnung zu leben, das Leben vor Bildschirmen zu verbringen und in einem Supermarkt Essen zu kaufen. Alternativen interessierten mich nicht, weil ich mich entschieden hatte, das sie mich nicht interessieren. Ich mochte es, wenn Dinge gleich blieben, wie die Leute an der Kasse, die meistens dieselben waren, genauso wie die Wort die wir wechselten. Nämlich sogut wie keine.

Damit ich stets auf Sendungen warten konnte, durften die Bestellungen aus dem Internet nicht abreißen. Eine Zeit lang stand immer dergleiche Zusteller vor meiner Tür, ein langer, sehr hagerer Mann mit blassem Gesicht und Headset. Dann kam er nicht mehr. Warum er nicht mehr kam werde ich nicht herausfinden. Dieser Umstand war so geheimnisvoll, wie die unsichtbaren Bezahlvorgänge, die blitzende Elektronik in den Glasfaserkabeln, die kryptischen Bestell- und Auftragsnummern die ich stets in einen Ordner abhefte. 

Die hin und her fahrenden Kastenwägen, die vielen Scanner, die namenlosen Nachbarn und dieser Mensch aus meiner Vergangenheit, der mir ab und zu in Gestalt einer anderen Person begegnete.

Wahrscheinlich ist mein Verstand gerade dabei, sich von mir zu verabschieden, still und heimlich. Ich saß noch eine Weile auf der Bank, entdeckte die Schuhspitzen, einige Kieselsteine, ein Blatt, zwei Zigarettenstummel, ein zertretenes Schneckenhaus und meine teigigen Finger mit ihren wächsernen Fingernägeln und diesen weißen Schlieren, den unappetitlichen Bauch, schließlich die unsportlichen Beine. Nicht mehr lange und der Körper würde auseinanderfallen. Er wird aus dem Leben verschwinden wie dieser Zusteller. Unkommentiert und ohne irgend welches Aufsehen erregt zu haben. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Ich stand schnell auf und ging nach Hause. 

Obwohl ich offensichtlich ein normaler Mensch bin, mit einem durchschnittlichen Elternhaus, den üblichen Lebensabschnitten wie Kindergarten, Schule, Ausbildung und Hamsterrad, schien mich etwas grundlegend verstört zu haben. Gerade so, als hätte ich eines Morgens im Bad vor dem Spiel gestanden und gesehen, wie über Nacht aus meinem Kopf zwei lange schwarze Fühler aus Chitin gewachsen waren. Ja ja ich weiß, das gab es schon.

War es, weil wir uns in Maschinen verwandelte? Warum sich dem Fortschritt entgegen stellen? Es bestand kein Grund, sich dem Unvermeidlichen zu widersetzen. Denn bald wird es keine Rolle mehr spielen, ob Arbeitskollegen, die Frau an der Kasse, meine Nachbarn, die Paketzusteller Maschinen sind. Wir werden alle synchronisiert werden und am Netz hängen wie Zecken.

Spatzen flatterten vom Ast und hüpften aufdringlich und Ansprüche stellend vor mir herum. Ich hörte wie sie sagten: Los, rück das Fressen raus! Du hast welches, wir wissen es. Spiel hier nicht das Unschuldslamm! Ich warf ihnen eine Schrippe in den Staub. Gierig hackten sie ihre kleinen Schnäbel in den gebackenen Teig. Die Natur ist knall hart, machen wir uns nichts vor.

Obgleich anscheinend alles unverändert einfach immer weiter ging, hangelte ich mich durch die Veränderung der Statusmeldungen. Veränderte sich eine Statusmeldungen, so ließ dass auf eine Bewegung der Sendung und meines Lebens schließen.

Vielleicht wird bald die Erde von einem elektromagnetischen Impuls erfasst, der den gesamten Strom abdreht und alle Speichermedien löscht. Dann sitzen wir alle im Dunkeln und dürfen Streichhölzer und Kerzen suchen. Hält die Dunkelheit an, werden unsere Smartphones und Tablettes zu nichts als Unterlegscheiben für Tischbeine zu gebrauchen sein.

Zuhause war mein Rechner noch an. Ich wackelte mit der Maus, dann checkte ich die Statusmeldung: Wir werden einen weiteren Zustellversuch durchführen. Es war zum Verzweifeln.

Morgen ist Samstag! Dachte ich. Ich werde es nicht vermasseln. Ich werde die Sendung empfangen. Ich werde es machen wie Buddha. Wie diese Romafrau auf ihrem Klappstuhl. Ich werde hungrig wie die Spatzen sitzenbleiben, alles ertragen, stoisch nichts tun außer sitzen. Bis die Sendung kommt. All den Hunger, den Durst unterdrücken und mich dann wahrscheinlich wie Kandis im Schwarztee auflösen.

Ich packte die Lebensmittel weg, kochte eine Suppe. Buchstaben als Nudeln schwammen in der Brühe. Beim Essen versuchte ich einen Sinn zu erkennen. Entdeckte Kombinationen aus Buchstaben und Bedeutungen. Sah Antworten über mich und möglicherweise über Buddha schweben. Ein kleines B schwamm auf meinem Löffel bis er im Rachen verschwand.

Es wäre doch möglich, dass wir über unsichtbare Kanäle Informationen erhalten, die unsere Psyche beeinflussten und als Wünsche an uns herantreten. Was ist der Unterschied zwischen Energie und Information? Ergeben bestimmte Kombinationen von Buchstaben in einer Suppe eine Nachricht?

Offensichtlich bin ich nicht autorisiert, diese Botschaften zu verstehen. Wahrscheinlich fehlt mir der Code. Für mich bestehen Sendungen aus der zufälligen Kombination von Zahlen und Buchstaben. Aber ein Zufall bleibt nur solange zufällig bis sich einem der Zusammenhang erschließt. Ich beginne langsam zu verstehen, was hier wirklich vor sich geht. Und es geschehen unglaubliche Dinge. Ein bisschen wie bei Schrödingers Katze, nur das ich in dem Fall die Katze in der schwarzen Schachtel bin und nicht weiß, ob ich lebe oder tot bin.

Für mich sitzt diese alte Frau jedenfalls nicht aus finanziellen Gründen vor dem Supermarkt. Es kann ihr nicht nur darum gehen zu betteln. Wahrscheinlich ist sie keine Frau, im Grunde nicht mal ein Mensch. In Wahrheit ist sie ein komplexer Informations-Relaispunkt. Diese Punkte stehen in direkter Verbindung mit der Meta-Daten-Wolke. Es gibt in jeder Stadt viele dieser Informations-Relaispunkte. Es gibt diese Informations-Relaispunkt in Gestalt von Pennern, herumlungernden Säufern und Bettlern. Leider fehlt mir der Quellcode um sie zu verstehen. 

Aber ehrlich gesagt fehlt mir dazu auch der Ehrgeiz. Mein Wille zur Wahrheit ist erschöpft. Ich bin genügsam geworden und warte lieber auf Sendungen. Als Zeitvertreib hefte ich Nummern und Zahlenkombinationen in Ordnern ab.

Meine wasserdichte Quarz-Uhr zeigt genau 23 Uhr und 42 Sekunden. Es war Freitag Nacht und ich saß in einer Küche. Ich schrieb Zahlen als Block in acht Zeilen und Spalten in willkürlicher Reihenfolge auf. Dann klammerte ich die letzte Bestellnummer daran, umkringelte einiges mit gelb und heftete es mit Datum, Ort und Uhrzeit in den Ordner. Ich sehe Zeichen, aber keine Bedeutung.

Morgen wird ein langer aber sehr wichtiger Tag werden. Es wird der Tag der Zustellung. Nichts wird dazwischen kommen. Alles wird reibungslos und planmäßig ablaufen. Das Zeitfenster stimmt. Der Zusteller wird läuten, die Treppen nach oben kommen und mir das übergeben, was ich bestellt hatte. Sein Scanner wird meine Unterschrift aufzeichnen. Und die aktualisierten Daten werden die Statusmedung auf „Zugestellt“ umschalten. Es wird ein guter Tag werden! Alles wird einen Sinn ergeben. Ich bin glücklich.

Dabei ist es unwichtig, was ich bestellt habe. Hauptsache der Strom an Bestellungen bricht nicht ab. 

Die Nacht war entsetzlich. Ich träumte schlimme Dinge. In einem Traume stand ein Gnom mit Glatze, roter Arbeitslatzhose und Clipboard in der Hand vor meiner Wohnungstür. In seiner Brusttasche steckten Kugelschreiber. Es verging eine Weile. Dann sagte er, dass in meinem System ein Fehler entdeckt wurde. Es bestünde aber die Möglichkeit, dabei klopfte er mit einem Kugelschreiber laut auf sein Clipboard, weil die Garantie noch nicht abgelaufen war, das fehlerhafte Bauteil auszutauschen.

Der Gnom wurde immer kleiner und am Ende lag an seiner Stelle ein modern gestalteter Baukasten eines Sprengsatzs mit Selbstzünder vor mir. Ich wollte die Bestellung quittieren. Aber es gab keinen Scanner? Ich sagte, dass man mir noch sagen müsste, was genau ich in die Luft jagen soll. Dann kam eine alte Frau mit Putzeimer die Treppe hoch gestiegen. Sie sagte keuchend, das alles geklärt sei. Ich hatte Angst das sie sich vor mir übergab. Ich ging in die Küche, um ein Fenster zu schließen. Es gab einfach zu viele Schalter und leider kein Fenster.

Damit bei der Zustellung nichts schief gehen konnte überprüfte ich meine Gegensprechanlage. Nahm den Hörer ab, klopfte ihn gegen die Wand und lauschte in die Muschel. Nur leises Rauschen. Es passiert, was passieren muss. Das war beruhigend. Danach schaltete ich den Rechner an und wartete bis er hochfuhr.

Schon bald werden wir Rechner um uns herum haben, die uns die Wünsche telepathisch in den Verstand pflanzten. Und sie würden sogar dafür sorgen, dass wir sie erfüllen. Parapsychologische Maschinen. Man würde alle Kreuze aus den Kirchen schrauben und durch Konzernlogos ersetzen. Dann wären wir Gott ganz nahe.

Ich öffnete die Internetseite des Paketdienstes: Die Sendung befindet sich in der Zustellung.

Die Variationsmöglichkeiten der Statusmeldungen sind begrenzt. Dennoch rief ich die Hotline an und drückte mich durch das Menü. Ein Roboter, wie immer eine freundliche Frauenstimme.

Durch Fragen wurde ich durch das Menü gesteuert: Herzlich willkommen bei…, um unsere Service Qualität zu verbessern, zeichnen wir in Einzelfällen das Gespräch auf, wenn Sie damit nicht einverstanden sind, drücken sie die zwei …, um den Status ihrer Lieferung zu erfahren drücken Sie die vier. Ihre Lieferung wird zwischen 9 und 20 Uhr an Sie zugestellt, genauere Angaben sind aus technischen Gründen leider nicht möglich, wir bitten um Ihr Verständnis.

Ich beendete das Gespräch ohne mich zu verabschieden. Maschinen sind nicht nachtragend. Dabei bleiben sie freundlich. Ich ging zum Fenster und schaute auf die Straße. Eine Frau auf einem Fahrrad im Regen an der Ampel wartet auf grün. Meine Welt bietet keine Überraschungen. Die Dinge variieren minimal und verhalten sich plan- und erwartungsgemäß, was auch gut war.

Nichtsdestotrotz läutete um 12 Uhr unerwartet mein Festnetztelefon. Ich besitze noch Festnetz. Eine Katja Engels von einer mir unbekannten Buchhaltungszentrale war am anderen Ende, sie kam gleich zur Sache. Es ging um eine Angelegenheit, die, wenn sie nicht auf der Stelle bereinigt wird, an eine Rechtsabteilung übergeben werden muss. Das klang interessant, aber auch beunruhigend. Sogar ein bisschen bedrohlich. Sollte es auch. Ich erkundigte mich, um welche Forderung es sich dabei handelt und wer ihr Auftraggeber sei. Darüber dürfe sie mir leider keine Auskunft geben, stattdessen legte sie auf. Während ich den Hörer noch an meinem Ohr hielt, überlegte ich, ob die Geräusche am anderen End der Leitung echt oder von Band waren. Automat oder lebendig. Was ist heute noch lebendig? Vielleicht die Spatzen.

Die Statusmeldung hatte sich seit Stunden nicht verändert, das war nichts ungewöhnliches, dennoch beunruhigte es mich. Es war verstörend. Denn was, wenn meine Sendung nie ankommt? Was dann?

Alles hing von den Sendungen ab. Aber wenn es nicht diese ist, dann die Nächste. Wahrscheinlich werde ich noch unzählige Sendungsnummern bekommen. 

Ich dachte an die Alte auf dem Klappstuhl, an Buddha, an dieses fürchterliche stillsitzen. An das, was von einer Psyche übrig bleibt, wenn alles verschwindet.

Eines aber war sicher, ein Automat mag zwar still sitzen, doch etwas unerwartetes passieren wird bei und ihm nicht. Was ist dieses Leben? Was lässt Dinge passieren? Was ist die Differenz aus Mensch und Maschine?

Der Schlüssel im Schloss meines Gefängnisses drehte sich ein kleines Stück. Und mit jeder Drehung, komme ich meiner Flucht näher.

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